Zocken verboten – getreu diesem Motto startete im Juni 2017 das „Projekt 100.000“ der studentischen Initiative Finanzclub Marburg e.V. Die Grundidee des „Projekt 100.000“ ist denkbar einfach. Vier Kleingruppen bestehend aus Mitgliedern des Finanzclubs managen nach eigenständig ausgearbeiteten Strategien jeweils 25.000 €. Bereitgestellt wird dieses Geld von der Gerina AG aus Marburg mit Vorstandsvorsitzendem Stefan Oberhansl, die Abwicklung erfolgt über die Sparkasse Marburg-Biedenkopf. Darüber hinaus betreuen die Professoren Rapp und Stolper des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften der Philipps-Universität Marburg das Projekt. Im Rahmen der Marburger Finance Night am vergangenen Freitag konnte in festlicher Atmosphäre im Fürstensaal des Marburger Landgrafenschlosses ein Fazit gezogen werden. Als kleines Highlight ergänzte der hessische Finanzminister Dr. Thomas Schäfer die Veranstaltung.

Alle Beteiligten des Projekts 100.000, der Vorstand des Finanzclubs und der hessisches Finanzminister Dr. Thomas Schäfer

Nach einem kurzen historischen Exkurs über das Schloss von Moderator Professor Rapp gaben die Finanzclub-Vorstände Philip Wolff und Max Hamscher einen Einblick in die Arbeit des Finanzclubs und stellten die Hintergründe des Projekts vor. Der Finanzclub ist eine Erfolgsgeschichte. Seit der Gründung im März 2016 konnten über 250 Mitglieder gewonnen und der Verein fest in Marburg integriert werden. Auch das Projekt 100.000 ist insgesamt durchaus erfolgreich; über viertausend Euro sind nach Abzug aller Gebühren im Vergleich zum Vorjahr dazugekommen.

Die Gruppe mit der mit Abstand besten Performance verfolgt einen Growth-Ansatz unter der Leitung von Vorstandsvorsitzendem Felix Kohlhas. Ziel ist es, Unternehmen mit überdurchschnittlichen Wachstumsraten zu finden, die trotzdem günstig bewertet sind. Dass dieser Ansatz Früchte getragen hat, konnte mit der beeindruckenden Performance von fast zwanzig Prozent bewiesen werden.

Dementgegen steht das „Team Value“ mit einer Value Strategie nach den Investoren Benjamin Graham und Warren Buffett. Es werden wirtschaftlich starke Unternehmen gesucht, von denen auszugehen ist, dass das Geschäftsmodell auch in den nächsten zwanzig Jahren funktioniert. „Durch sehr viel Arbeit an der Strategie wurden die erfolgreichen Wochen im Juli und August verpasst und die Performance liegt insgesamt bei -1,5 Prozent, womit wir unsere Benchmark klar verfehlt haben“, erklärte Gruppenleiter Lucas Cornaro.

Es folgte der sehr quantitative Ansatz „Multiples“ mit Gruppenleiter Martin Schruff. Eine Reihe von Unternehmenskennzahlen werden mit konkreten Zahlenwerten bewertet und daraus ein „Fair Value“ ermittelt. Da qualitative Kriterien nicht beachtet werden, ist der Ansatz äußerst objektiv. Unterm Strich steht die Gruppe etwa zwei Prozent im Minus. Zu beachten ist aber, dass nach einigen Startschwierigkeiten ein vollständiger Strategiewechsel erfolgte.

Zu guter Letzt stellte Ex-Vorstand Martin Salzmann seine Gruppe vor. Die von der Gruppe angepasste Levermann-Strategie legt 14 Kriterien zugrunde, nach denen Unternehmen analysiert werden. Erfüllen sie diese, gibt es einen Punkt, falls nicht, wird ein Punkt abgezogen. Erzielt ein Unternehmen sechs Punkte, so ist es ein Kaufkandidat. Mit einer Performance von über 2,5% konnte der Dax geschlagen werden bei einer deutlich geringeren Schwankung.

Gruppenleiter Felix Kohlhas nimmt den Preis für die beste Performance von Stefan Oberhansl in Empfang.

Stefan Oberhansl, Investor und Initiator des Projekts, zeigte sich sehr zufrieden. „Als ich damals mit der Sparkasse über die Idee gesprochen habe, kam nur die Frage: Willst du Geld verlieren? Das Gegenteil konnte heute gezeigt werden.“, sagte Oberhansl. Nach Verleihung einer kleinen Aufmerksamkeit für alle Teilnehmer des Projekts verkündete er eine frohe Botschaft für den Verein: „Das Projekt soll nicht nur um ein weiteres Jahr verlängert, sondern auch die Summe soll auf 200.000 € aufgestockt werden, unter anderem um den Einfluss von Transaktionskosten auf die Performance zu mindern.“

Im Anschluss präsentierte Professor Stolper aktuelle Ergebnisse seiner Forschungsarbeiten, insbesondere zum Thema Behavioral Finance. Die Deutschen bleiben „Aktienmuffel“, was insbesondere für die Altersvorsorge verheerende Konsequenzen haben kann. Entscheidend sei aber auch, das Risiko einer Falschberatung so weit wie möglich zu reduzieren.

Den Höhepunkt bildete der letzte Vortrag des hessischen Finanzministers Dr. Thomas Schäfer. Er knüpfte an das Thema der Rentenproblematik an und diskutierte die Notwendigkeit privater Altersvorsorge in Zeiten einer besonders niedrigen gesetzlichen Rente. Die Riesterrente sei auch für den kleinen Mann dank hoher staatlicher Zulagen und einer niedrigen Mindestbeitragsrate interessant. Nach einer kleinen Fragerunde konnte in den geselligen Teil des Abends übergegangen werden und bei leckeren Häppchen und kalten Getränken weiter diskutiert werden.

Der amtierende Vorstand des Finanzclub Marburg (es fehlt Sebastian Pridöhl)